Gräfin/ Erzherzogin Mechthild von der Pfalz

Mechthild wurde am 7. März 1419 im Heidelberger Schloss geboren. Sie wuchs wohlbehütet als Kurpfälzische Prinzessin im Schloss auf, das zu damaliger Zeit ein stattliches Anwesen mit großzügigen Außenanlagen war. Erst 1693 wurde das Schloss im laufe des Pfälzischen Erbfolgekrieges durch französische Truppen gesprengt. Die Ruinen können heute noch besichtigt werden. Sie war die Tochter des Kurfürsten Ludwig III., und dessen Ehefrau Gräfin Matilda von Savoyen-Achaja.

Bereits wenige Monate nach ihrer Geburt, wurde sie mit dem damals siebenjährigen Grafen Ludwig I. von Württemberg verlobt. Dies war zu damaliger Zeit nicht unüblich, da die Ehen in adligen Kreisen von den Eltern arrangiert wurden. Die Ehe selbst wurde erst am 21. Oktober 1436 in Stuttgart geschlossen. Es war eine großartige Hochzeit mit vielen Gästen und viel Wein. Es wurde an nichts gespart. Angesichts der reichen Schwiegereltern, war dies  angemessen. Trotzdem kann man heute sagen, dass es eine Liebesheirat war. Mechthild schenkte Ihrem Mann fünf Kinder – Mechthild, Ludwig II, Andreas, Eberhard und Elisabeth. Bereits im Alter von 31 Jahren verwitwete sie, da ihr Mann Ludwig an der Pest verstarb.
Dies war zu damaliger Zeit eine häufige Todesursache, raffte die Pest doch im Laufe der Jahrhunderte 20 Millionen Menschen in Europa dahin. Die junge Witwe verlegte Ihre Residenz von Urach in das Schloss nach Böblingen, wo sie im Jahr 1452 in zweiter Ehe den Erzherzog Albrecht VI. von Österreich heiratete. Der Erzherzog war ein Bruder des Kaisers Friedrich III. Diese Heirat bewirkte, dass Mechthild von der Württembergischen Gräfin, zur zweitmächtigsten Frau Österreichs aufstieg. Diese Ehe, war eine reine Vernunftehe, da Österreich ständig in Geldverlegenheit war und Mechthild 73 000 Gulden mit in die Ehe brachte. Dies resultierte daher, dass sie ein üppiges Wittum (Vermögensleistung des Bräutigams Ludwig I. an die Braut bei der Eheschließung) erhielt. Durch einen klugen Ehevertrag mit Erzherzog Albrecht, konnte sie aber 30 000 Gulden zu eigener Verwendung behalten. Außerdem die Einkünfte der Grafschaft Hohenberg. Gleichzeitig durfte sie ab 1454 im Stadtschloss der Hohenberger in Rottenburg residieren. Die Grafschaft Hohenberg selbst, wurde wegen Geldmangel 1381 von Rudolf III. von Hohenberg an Herzog Leopold III. von Österreich für den Betrag von 60 000 Goldgulden verkauft. Die Ehe blieb Kinderlos und war nicht sehr glücklich. Ihr Mann galt als protzig, gewalttätig und selbstsüchtig. Die beiden sahen sich nur selten und somit neigte sich Mechthild anderen Interessen zu. Politisch hatte sie wenig zu bestimmen, da Politik damals nur von Männern gemacht wurde.
Albrecht selbst starb im Dezember 1463. Danach widmete sich Mechthild ihrem Musenhof. Sie berief Dichter, Musiker und Gelehrte und Künstler um sich. Sie förderte Literatur, Kunst und Wissenschaft. Nach dem Tod ihres Gemahlen residierte sie ausschließlich in Rottenburg. Ferner wird in der sog. Zimmerschen Chronik überliefert, dass sie großen Hof und „cöstliche Vastnachten“ abgehalten habe. Des Weiteren wird überliefert, dass sie Turniere „mit viel hauen und stechen“ abgehalten habe. Wahrscheinlich war es so, dass sie auf ihrem Schloss große Maskenbälle mit Tanz abgehalten hat. Das gemeine arme Volk war von diesen Bällen ausgeschlossen und musste sich auf der Straße vergnügen. Eine organisierte Fasnet wie heute, gab es noch nicht, sodass zu vermuten ist, dass die Leute in einfachen zusammengenähten Kleidern als Einzelfiguren unterwegs waren. Sicherlich wurden auf dem Marktplatz auch Ritterturniere abgehalten, die damals sehr beliebt waren. Am 22. August 1482 besuchte sie ihre Heimat in Heidelberg. Während dieses Aufenthaltes verstarb sie an der Gicht. Gemäß ihrem Wunsch, wurde sie in der Kartause Güterstein bei Urach neben ihrem ersten Gatten beigesetzt.
70 Jahre später, wurde sie in die Stiftskirche Tübingen überführt, wo sie heute noch neben Ihrem Sohn Eberhard VI. ruht. Zu erwähnen sei noch, dass Mechthild auch in Hochschulpolitischer Hinsicht eine führende Rolle gespielt hat, so animierte sie ihren Sohn Eberhard 1477 die Eberhard-Karls-Universität in Tübingen zu gründen. Ebenso ermutigte sie ihren Ehemann Albrecht, 1457 die Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg zu gründen. Die Stadt Rottenburg, sollte ihr ein würdiges Denkmal errichten.