Entstehung des Narrenbrunnens

Anfang der 80-er Jahre war ich Mitglied des Narrenrates in Rottenburg. Schon damals wurde immer wieder über einen Narrenbrunnen gesprochen. Ein Modell von Herrn Alois Stehle war vorhanden (hängt im Zunfthaus), leider war der Narrenrat nicht bereit dafür Geld auszugeben.
Fast 3O Jahre später, nachdem der Gedanke an einen Narrenbrunnen mich immer wieder bewegt hatte, wollte ich die Sache doch noch in Bewegung bringen.

Rottenburger Narrenbrunnen
Zoom
Rottenburger Narrenbrunnen
Ansicht der Ahlandmaske

An der Fasnet 2001 versuchte ich den Narrenfreund Claus Blesch zu bewegen, ob er nicht auch für eine solche Sache zu begeistern wäre. Er war sofort dafür.

Wir sprachen das Prozedere grob ab, suchten weitere Freunde für einen Narrenbrunnen und gründeten am 16.5.2002 den Förderverein Narrenbrunnen Rottenburg e.V. Als Gründungsmitglieder machten mit: A. Adis, Cl. Blesch, Alb. Dietrich, O. Schäfer, Fr. Held, W. Müller, M. Rehbein, M. Wöllermann, G. Hagner, Kl. Tappeser, G. Diehl, D. Pfeffer, G. Springer.

Der Verein hatte zum Ziel Geld für einen Narrenbrunnen zu beschaffen und sich mit der Stadt über Plätze und Ausgestaltung zu beraten.

Schnell wurde klar, dass der Metzelplatz ein geeigneter Platz für einen Narrenbrunnen sein könnte; auch andere Plätze wurden dafür angedacht. Es wurden extra Aufnahmen an verschiedenen möglichen Brunnenplätzen mit lebenden Narren gemacht.

Es wurde beschlossen, dass es möglichst lebensgroße Figuren sein sollten, die die Fasnet in Rottenburg wiederspiegeln sollten.

Der Verein kam überein, nachdem die ersten Spendengelder eingegangen waren,- der Ausschuss im ganzen Ländle herumgefahren war um die Ausgestaltung der Narrenbrunnen zu besichtigen-, einen Wettbewerb unter vier Künstlern auszuschreiben. Dazu lobte er 1500.-Euro pro Künstler aus. Auf meinen ausdrücklichen Wunsch sollte auch ein Rottenburger Künstler beauftragt werden. Vorgabe war, die Figuren sollten lebensnah und in natürlicher Körpergröße gestaltet werden. Bis zu diesem Zeitpunkt gingen wir von einem Kostenrahmen von ca. 35 – 40 000.- Euro aus.

Es gingen 4 ganz unterschiedliche Modelle ein, worüber wir sehr erfreut waren. Leider war das Modell des Rottenburger Künstlers nicht nach den Vorgaben ausgerichtet. Die Realisierung der Modelle lag zwischen 70-110 000.-Euro.

Die Modelle wurden in der VoBa und in der KSK ausgestellt, damit die interessierte Bevölkerung sich ein Bild davon machen konnte und ihre Meinung dazu kundtun konnte. Gleichzeitig wurde ein Gewinnspiel ausgelobt.

Die Vorstellung der Modelle sollte auch zur Spendenbegeisterung der Mitbürger beitragen. Zusätzlich versuchte der Verein über gezielte Anschreiben an Betriebe und Mitbürger in und um Rottenburg Spenden für den Narren-brunnen einzutreiben.

Leider gingen die Spenden nur sehr zäh ein, so dass bald klar war, dass eine Ausführung eines Narrenbrunnens erst in vielen Jahren möglich würde.

Gleichzeitig hatte auch immer wieder Herr Dr. Keppel die Art unseres Narren-brunnens in Frage  gestellt; er hätte lieber die Figuren in der Stadt aufgestellt gesehen oder an einem anderen Platz (z. B. Verkehrskreisel).

Nachdem sich über die Jahre der Versuch Gelder zu akquirieren hinzog, und klar wurde, dass in absehbarer Zeit keine Ausführung eines Narrenbrunnens in Sicht war, überlegte der Ausschuss des Vereins, die Sache aufzugeben. Schließlich hatte der Verein 2005 erst ca. 10 000.- Euro gesammelt.

Auf Vorschlag des Vorsitzenden Alfred Adis sollte ein letzter Versuch gemacht werden. Er bot an, ein Modell eines Narrenbrunnens umsonst zu schnitzen und vorzustellen. Das Modell wurde in einer Hauptversammlung der NZ vorgestellt und 4 Wochen in einem Schaufenster am Metzelplatz ausgestellt.

Die Gießkosten für die Ausführung kosteten lt. Fa. Strassacker ca. 33 000.-Euro, die Modellherstellungskosten von ca. 50 000.- Euro wären der Stadt geschenkt worden.

Nachdem für das Modell allgemein Konsens bestand, ging ich an die Ausgestaltung der Figuren in Originalgröße in Holz.

Jetzt erst  regte sich Widerstand im Gemeinderat. Siehe Rathaus Runde des Schwäbischen Tagblattes.

Frau Ute Drews (WiR) beschwerte sich in der Zeitung, dass der Gemeinderat weder von Herrn Tappeser noch von Herrn Dr. Keppel gefragt und informiert wurde über das  „selbstherrliche Gebaren“ des Fördervereins auf dem Metzelplatz einen Narrenbrunnen zu installieren.

Ich bot an, die Originalfiguren am Metzelplatz aufzustellen, so wie der Brunnen etwa in der Endausführung aussehen sollte, und sie dem Gemeinderat vorzustellen.

Der Abend wurde zum Flop. Äußerungen aus dem Ausschuss des Gemeinderats wie: „Kann der Narrenbrunnen über die Weihnachtszeit abgebaut werden, da doch nebenan in dieser Zeit der Weihnachtbaum leuchtet,“ oder „der Zinken des Hexenbesens könnte gefährlich sein,“ machte klar, dass der Gemeinderat schon geimpft war auf eine Ablehnung des Brunnens an dieser Stelle. Zur anschließenden Sitzung über den Narrenbrunnen wurde der Vorsitzende des Fördervereins nicht eingeladen, dafür Dr. Baur, Vorsitzender des Kulturvereins, der eh gegen den Brunnen war.

So bekam der Verein einige Zeit später ein Schreiben von der Stadt mit der Ablehnung des Brunnens an diesem Platz.

Doch ganz spurlos ging die Sache dann doch nicht ab.

Einige Anrufe von Gemeinderäten signalisierten evtl. dann doch nicht das Ende eines Narrenbrunnens. Tatsächlich meldete die Stadt bald darauf sich doch an den Kosten eines Narrenbrunnens zu beteiligen, nachdem bisher immer eine Beteiligung von Seiten der Stadt ausgeschlossen wurde.

Voraussetzung wäre, dass ein anderer Platz dafür ausgesucht würde. Es fand sich schließlich eine Einigung auf den Platz vor der Zehntscheuer. Die Stadt war bereit 50 000.- Euro zu geben.

Es wurden die drei Künstler (ausser dem Rottenburger Künstler Ehmann) gebeten nochmals ein Brunnenmodell für den neuen Platz einzureichen und bot dafür je 500.- Euro pro Künstler aus. Ich beteiligte mich nicht mehr daran, weil dadurch meine Stimmberechtigung verlorengegangen wäre.

Alle 3 Modelle wurden in einer Gemeinderatsausschusssitzung vorgestellt, in der sofort klar war, dass Dr. Keppel das Modell Jäggle favorisierte und an diesem Abend mit meiner Enthaltung auch absegnete. (Begründung meiner Enthaltung war, dass das Modell zu sehr dem Narrenbrunnen in Riedlingen glich).

 

So kam der neue Narrenbrunnen ins Rollen.

Gewerk/Tätigkeit                             Kosten
Brunnenskulptur            62 000.-Euro
Brunnentechnik 26.000.- Euro
Trog und Fundamente etc.  31.000.- Euro
Also zusammen ca.  120.000.- Euro .

 

Kostenverteilung

Kostenträger                        Betrag
Förderverein ca.          25.000.- Euro
Spenden NZ 10 000.- Euro
Spenden Std.Rttbg. 50 000.- Euro
Tiefbau wurde von SWR ausgeführt. -

 

Die Bank um den Brunnen, die ursprünglich mit 3 – 4 000.- Euro angeschlagen war, , kostete 25 000.- Euro , weil Herr Dr. Keppel dies in gedämpfter Akazie      ( ca. 13 000.- Euro) und die Unterkonstruktion in spezieller Anfertigung in Nirosta ca. 12 000.- Euro wollte. Einzelne Arbeiten wurden von mir und Mitgliedern der Narrenzunft getätigt.

So konnte der Narrenbrunnen am 24. 4. 09 aufgestellt und am 25. 4. 09 mit einem schönen Festle auf dem Platz vor der Zehntscheuer eingeweiht und begossen werden.

Der Förderverein löste sich am 31. 10. 2009 auf, nachdem der Narrenbrunnen stand, und somit das Ziel erreicht war.

An dieser Stelle möchte ich mich nochmals bei allen Beteiligten und Unterstützern bedanken.

Die Unterlagen liegen zur Einsicht im Zunftarchiv aus.