Die Straßen-Fasnet

Diese ursprünglichste Form der Fasnet ist bei vielen Rottenburger Narren gleichzeitig die beliebteste Form. Bereits im Jahre 1410 soll in Rottenburgs Mauern "Vassnach " gefeiert worden sein. Überliefert ist auch von dem Chronisten Graf von Zimmern (Zimmer'sche Chronik), dass "ein groß rennen und stechen uf dem Markt gewesen".

Lumpenkapelle
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Lumpenkapelle
Lumpenkapelle beim Umzug von St. Moritz zum Marktplatz

In Rottenburg findet jedes Jahr am Fasnetssamstag immer ein besonderes Spektakel statt, das es in der Art und Weise kein zweites Mal in der schwäbisch-alemannischen Fasnet gibt. Die Rede ist von der Rottenburger Straßenfasnet. Heutzutage dürfte der Fasnet - Samstag wohl der Tag der Straßenfasnet schlechthin sein. Denn nach der alljährlich stattfindenden Zunftmesse in der Kirche St.- Moriz geht vor der Kirche und später in der Fußgängerzone bzw. auf dem Marktplatz im wahrsten Sinne des Wortes "die Post ab".

Das Besondere an diesem Ereignis ist, dass zwar der Rahmen, also der Ablauf der gleiche ist, sich das Erscheinungsbild aber von Jahr zu Jahr verändert. Private kleinere Gruppierungen lassen sich jährlich eine neue Verkleidung einfallen. In liebevoller Eigenarbeit werden die verschiedensten Kostüme für diesen einen Tag hergestellt. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt: Vampire, Max und Moritz, M & M’ s-Männchen, Pumuckl, Schlümpfe, Gartenzwerge, Ritter, oder wie im letzten Jahr eine Gruppe mit Heinos, zogen bereits durch die Straßen der Rottenburger Altstadt. Der Zug dieser verschiedenen Gruppen postiert sich im Anschluss an die alljährlich stattfindende Zunftmesse auf dem Kirchplatz der Morizkirche, um von dort über die Neckarbrücke auf den Markplatz zu marschieren. Ihr Weg ist gesäumt von (zumeist Rottenburger) Zuschauern, die sich nicht entgehen lassen wollen, was sich die Gruppen mal wieder haben einfallen lassen. Zu erwähnen ist, dass dies ein völlig unorganisierter närrischer Umzug ist.

Vor allem sind es hier die mittlerweile zahlreichen Fasnets-Musiken, die mit ihren fetzigen Fasnetsmärschen und Schunkelwalzern sich selbst und auch nach und nach die ganze Stadt in Bewegung bringen.

LGZ (Landesgaszentrale), Ahland-Kapelle, Blechschaden, Gassenjugger, Taktlos, Locus Romanus, Altstadthurgler, Rasselbande, Smilys heißen die größten Kapellen, die jedes Jahr denn auch mit einem erweiterten und perfekterem Repertoire aufwarten.

Traditionelle Familiengruppen, wie die Ritter-Gruppe, oder die Ahland-Kapelle "Wütz" nehmen sich dagegen eher bescheiden aus, jedoch vermitteln deren Ziehorgel-Klänge eine gemütlichere Atmosphäre, die vor allem in den fasnachtlich dekorierten Gastwirtschaften und kleinen Besenwirtschaften, oder in der provisorisch hergerichteten Garagen-Wirtschaft mit entspre-chendem Beifall empfangen werden.

Natürlich gibt es außer den genannten noch viele schöne Fasnets-Gruppen, die die Straßenfasnet in Rottenburg bereichern und die Straßen bis zum Einbruch der Dämmerung bevölkern.

 

"En Raudeburg goht d ' Fasnet laos,

ond älle geh ' nt em G ' wand

d ' Leit ' hopset aus de ' Häuser 'raus,

send ausser Rand ond Band."

 

lautet der Refrain eines Rottenburger Fasnet - Hits und damit ist wohl auch der Kern der Sache getroffen, denn am Samstag-Nachmittag wogt die ganze Stadt und feiert ihre „glückselige Fasnet"