Ahlandmaske

Wer würde hinter dem Ahland, der zur Zeit der Rottenburger Fasnet in allen Größen die Gassen füllt, den Teufel oder einen Dämon vermuten, und doch steckt er hinter den Ahlandmasken, der "Junker Valand", er war ein mittelalterlicher Name des Teufels und ist "der zu Fall Bringende". Zu dieser dämonisch - diabolischen Ahlandmaske stand eine alte, in Stein gehauene Schreckmaske aus der Frührenaissance Modell.

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Das Steinrelief ist in Lausbühler Sandstein gehauen und ca. 100 x 90 cm groß. Es ist an der Fassade des Jägerhäusles nahe dem Preußischen zu finden ist.
Vermutlich enstand die Maske um ca. 1550-1570 und befand sich ursprünglich an einem größeren Gebäude in Rottenburg, das beim Stadtbrand von 1644 zerstört wurde!

Die Holzmaske ist in Lindenholz geschnitzt mit teuflischem Gesichtausdruck, mit großen Kulleraugen, kurzer breiter Nase und wulstigen Backen, einem weitaufgerissenen Rachen, der seitlich in akanthusblattähnlichem Bart ausläuft. Mit flacher Oberlippe mit Zähnen, Unterlippe als Wulst ausgebildet, Kinn mit Bart, Schädel besetzt mit zwei Hörnchen und gestellten Ohrmuscheln.

Für den wenige Jahre alten Elferrat galt in den 20-iger Jahren nichts anderes als heute: Im schwäbisch-alemannischen Bereich ist eine Maskengestalt für die Fasnet einfach ein Muß. Die Räte um Lucian Grall brauchten nicht lange zu suchen. Das von 1918 bis Ende 1923 in Rottenburg im Umlauf befindliche Notgeld hatte eine wunderschöne Maske populär gemacht, die Sandsteinmaske vom Jägerhaus. Aber nicht das Original am Jägerhaus, sondern die Abbildung auf dem Notgeld diente als Vorlage für die "Rottenburger Originalmaske", denn wie auf dem Notgeldschein fehlen auch bei der Maske die Hörnchen.

Der erste bildliche Beleg der „Rottenburger Originalmaske“ stammt aus dem Jahre 1929 (Badeblatt vom 12.2.1929). Das Bild zeigt drei Behäste, der mittlere davon mit der Originalmaske. Da es zu dieser Zeit nur eine Maske gab, mußten sich die beiden anderen Narren mit einer Papierlarve behelfen. Anstatt des weissen Schaffells wurde damals eine über die Schultern fallende Larvenhaube aus Stoff befestigt. Offensichtlich handelte es sich dabei um Prototypen, die den Rottenburgern vorgestellt wurden.Dem zugehörigen Zeitungsbericht ist zu entnehmen, daß diese "Rottenburger Originalmasken" tatsächlich auch am Umzug teilgenommen haben.

Lucian Grall, der Präsident des Elferrates, ließ für seinen Sohn Helmut 1929 in Elzach eine Maske schnitzen, die in der Fasnet 1930 ihren ersten Auftritt hatte. Diese "Teufelsmaske" war als eine Weiterentwicklung und Verfeinerung der zwar optisch sehr gut, ansonsten aber etwas zu flach und zu schwer geratenen Originalmaske gedacht. Auch die Hörnchen fehlten nicht. In den 50-er Jahren gab es unter Präsident Viktor Stemmler sogar Tendenzen, sie zur dominanten Maske zu machen. Ob ihrer guten Trageeigenschaften ist sie auch heute noch sehr beliebt und stark verbreitet. Sie darf nach der Neufassung der Masken- und Häsordnung, die auch eine Häsabnahme vorsieht, seit ein paar Jahren nicht mehr geschnitzt werden.

Ab 1930 erkennen wir den Ahland in seiner heutigen Form. Ein Lammfell als Larvenhaube und über den Schultern die auf der Brust gekreuzten Schellenriemen. Die Häsbemalung ist noch nicht reglementiert. Viele Ahlande waren es dazumal nicht. 1930 waren lediglich zwei beim Fototermin, 1934 sind es schon fünf und 1939 waren es dann ganze sechs. So streng wie heute wurde es damals mit der Maskenordnung nicht gehalten. 1930 durfte auch ein Butz aus Kiebingen mit aufs Bild. Sogar mit der Maske eines Rottweiler Biß oder mit der Larve eines Oberndorfer Hansels konnte man bei den "Originalmasken" mitspringen. Übrigens, zwei dieser Oberndorfer Glattlarven sind im Besitz der Narrenzunft geblieben und geben im Zunfthaus Zeugnis aus längst vergangenen Ahland-Tagen. 

Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung folgender in "D`Zunft" erschienen Artikel.
Die Artikel in voller Länge sind hier nach zu lesen:
D`Zunft 3/96, "Die Sandsteinmaske am Jägerhaus" von Klaus Göggel
D`Zunft 4/96, "Von der "Originalmaske" zum "Ahland"- Der Ahland und sein Häs" von Klaus Göggel
D`Zunft 1/96, "Datierung und Herkunft der "Ur-Maske" von Dieter Manz