Gräfin Mechthild

Mechthild wurde am 7. März 1419 als Tochter des Pfalzgrafen bei Rhein und Kurfürsten von Beiern Ludwigs III. und der Gräfin Mechthild von Savoyen in Heidelberg geboren.

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Im Alter von 15 Jahren vermählte sie sich in Stuttgart mit Graf Ludwig I. von Würrtemberg. Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor, von denen zwei Söhne schon früh starben. Ihr dritter Sohn, Graf Eberhard V. `im Barte`, war der Gründer der Unversität Tübingen. Graf Ludwig starb 1450 im Alter von 38 Jahren.

Mechthild wohnte daraufhin in Böblingen, wo sie im August 1452 Herzog (seit 1453 Erzherzog) Albrecht VI. von Österreich heiratete, der diese Ehe wegen einer Geldverlegenheit einging. (Vgl. Nägele 1887:27) Mechthild brachte 73.000 fl. mit in die Ehe, behielt sich davon aber 30.000 zu eigener Verwendung vor und bestand auf Zuweisung der Herrschaft Hohenberg. Sie residiert nun von 1454 an in Rottenburg. Die Ehe blieb kinderlos und, so sagen die Chronisten, nicht sehr glücklich. "Herr Albert sei,... , protzigen Prunk und politischer Ränkesucht zugeneigt, auch unbeständig, gewalttätig und selbstsüchtig gewesen und habe für die Musen wenig Neigung gezeigt." (Eberle 1976:89) Erzherzog Albrecht starb im Dezember 1463 eines jähen Todes, als er seinen kaiserlichen Bruder in der Wiener Hofburg belagert hatte. Nach dem Tod ihres Gemahlen residierte Mechthild fast ausschließlich in Rottenburg. Sie starb 1482 bei einem Besuch ihrer Verwandten in Heidelberg und wurde ihrem Willen gemäß in der Kartause Güterstein bei Urach neben ihrem ersten Gatten beigesetzt. Etwa siebzig Jahre später ließ Herzog Christoph von Württemberg die Gebeine seiner Vorfahren in die Stiftskirche nach Tübingen überführen, wo heute noch das Grabmahl Mechthilds zu sehen ist

Für Rottenburg bildet die Zeit der Anwesenheit von Mechthild und ihrem Hofstaat sowohl den kulturellen Höhepunkt in der mittelalterlichen Kulturgeschichte als auch eine Periode wirtschaftlicher Blüte. "Mechthild war eine hervorragende Frau, Pflegerin der Kunst und Wissenschaft, Förderin der Literatur, Gönnerin der Stadt Rottenburg..." (Nägele 1887:27) [...]

Mechthild gilt aber vor allem als Gründerin der Rottenburger Fasnet. In der Zimmerschen Chronik wird sie als "überflaischgiriges weib" beschrieben, deren "wesen und hofhalten aller freuden und wolllust, so man erdenken und gehaben mogt, überflissig vol gewesen; hett auch fraw Venusperg genennt werden, .." Wie es in der Zimmerschen Chronik weiter heißt, hat sie "zu Rotenburg große höf, auch cöstliche vasnachten gehalten, ..., und war ain groß rennen und stechen uf dem Mark." (Zimmern 1932:454, Bd.I) Vermutlich handelt es sich bei diesen, von ältestem Volksbrauch inspirierten Spielen, um Narrentreiben wie sie der schwäbische Sittenprediger Sebastian Frank im 16. Jahrhundert schilderte: "An diesem Feste pflegte man viel Kurzweil, Spektakel und Spiel zu halten mit Stechen, Turnieren und Tanzen. Da verkleiden sich die Leute und laufen wie Narren und Unsinnige in der Stadt mit mancherley Abenteuer und Phantasey." (Veranstaltungskalender 1982:15)

Bei der Rottenburger Fasnet wird Mechthild alljährlich als Gräfin (die Rottenburger nehmen es mit dem Titel nicht so genau) mit ihrem Hofstaat symbolisch repräsentiert. Die jeweilige Darstellerin trägt ein purpurfarbenes, brokatbesetztes Samtkleid mit einer Schleppe, das am Ausschnitt mit einem weißen Pelz besetzt ist. Als Kopfbedeckung dient eine Burgunderhaube, an deren Spitze ein weißer Schleier befestig ist.

 

Literaturverzeichnis

Eberle, Josef (1979); Die Schwäbishen Gedichte des Sebastian Blau, Stuttgart: Deutsche Verlagsanstalt  

Nägele, Eugen (1887); Rottenburg und seine Umgebung, Tübingen: Fues

Veranstaltungskalender (1982); Veranstaltungs- und Kulturinformation für die große Kreisstadt Rottenburg, Februar 1982, Esslinger: Villingen

Zimmern, Graf Froben Christof von (1932); Zimmersche Chronik, nach der von Karl Barack besorgten zweite Ausgabe neu herausgegeben von Dr. Paul Hermann, Meersburg, Leipzig: Hendel