Pompele

Der Klopfgeist Pompele soll im Keller des Gasthauses "Römischen Kaisers" Rottenburg nach einer Sage sein Unwesen getrieben haben. Im Oktober 1978 fand das Pompele den Segen und die Zustimmung des Präsidium der Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte und wurde somit in deren erlauchten Kreis aufgenommen.

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Das "Pompele" unterscheidet sich vom Ahland durch ausgeprägtere Gesichtszüge, feine Verzierungen und vor allem durch die Widderhörner. Als Larvenhaube tragen die "Pompele" ein schwarzes Lammfell, Kittel und Hose bestehen aus braunem, fellartigen Stoff. Ein Geschell aus Bronzeglocken sorgt für die akustische Auffälligkeit.

Als Vorlage, für die aus Lindenholz geschnitzte Holzmaske, diente die bei Bauarbeiten beim Pulverturm im Stadtteil Ehingen gefundene Renaissance-Steinmaske. Jetzt ist die Maske im Zwinger eingesetzt, einem Teil der befestigungsanlage zwischen einstigem Inneren und Äußeren Kiebinger Tor.
Die Maske ist aus Lindenholz geschnitzt und im Grundton braun gehalten. Umrahmt wird das Gesicht von einer in das Holz geschnitzten, silbernen Krause. Das Pompele hat einen dunkelbraunen nach unten geschwungenen Schnauzbart, der Mund ist offen, eine leicht herausgestreckte Zunge ist zu erkennen. Die beiden Kopfhörner sind Widderhörnern nachgebildet und je nach Maske bräunlich bis stahlgrau.
Trotz ihres dunklen und gespenstischen Grundtones erzeugt die Maske vor allem durch die Mundpartie einen koboldhaften und freundlichen Eindruck.

Was das Pompele aber vor allem als Klopfgeist auszeichnet ist der Klöpfer aus Holz mit einem Lammfellschwanz am unteren Stil des Klöpfers, auf dem das Monogramm und die Mitgliedsnummer des jeweiligen Inhabers angebracht sind.

Der Kunstmaler und langjährige Narrenrat Alois Stehle schuf diese neue Rottenburger Fasnetsfigur als Gegenstück, nicht als Konkurrenz zum Ahland. Auf der Suche nach einem passenden Namen wurde er bei keinem Geringeren als bei Dr. Josef Eberle alias Sebastian Blau fündig. Dieser schreibt dazu in einem Brief an Alois Stehle: "Was die Volkssage vom "Pompele" des "Römischen Kaisers" in Rottenburg betrifft, so habe ich den Namen dieses Klopfgeistes in meinem Gedichtsband "Die schwäbischen Gedichte des Sebastian Blau" auf Seite 95 gebraucht. In Fischers schwäbischen Wörterbuch finde ich dazu unter "Bumpele" (Band 1, Spalte 1518) "Name eines dienstfertigen Kobolds" und den Verweis auf die Rottenburger in "Meier's Schwäbischen Sagen" S 80. Der Name würde also gut für eine Rottenburger Maske passen. Ich hoffe, damit als Pate des Neugeborenen anerkannt zu werden und wünsche dem Täufling alles Gute".

Als Referenz an den ehemaligen Besitzer der Stätte, in dem das "Pompele" gehaust haben soll, trägt dieses auf dem Rücken das Hauswappen des österreichischen Hauptmannschaftsverwalters Dr. Johann von Wagner.

Hier ein Gedicht von Sebastian Blau:

 

 Dr Pompele

Ens Kaiserwiits Kear donn, sait ma´, gangs om,
äll Naacht könn ma´s haöre´om d Goasterstond rom.
Des raßle ond romple ond bockle ond tär
so grausig ond arg, daß oam gruselig wear.

Ond Schritt haör ma´ tappe´, ond s Liacht gang oam aus –
dr Pompele, saget se, seis, mo selt haus!
r stell oam de´ Fuaß, r spreng oam ens Gnick
ond pack oan am Hals, daß ma´ beinoh verstick

Ond wenn ma´ noh stolpre, puuzle ond waal,
noh lach r en Schocher naus, daß es ganz haal,
mach Höpser uf d Fässer nuf, gilfze ond gronz –
ma` haör-en ond spei-ren, aber seah´ tär ma´ nonz.

So, saget se, gangs beim Kaiserwiit her;
mi brächtet koane zeah´ Gäul en dean Kaer:
i hao´ emol naachts selt oan rauskomme´ seah´,
deam hots dr Pompele et übel gea´!

Wias Kätzle am Bauch hot r ausgseah´ dear Ma´,
ond d Knui hend em gschloddret, vor Angst, nemm-e a´,
ond s hot en ällbot uf de´ Bode´ nei´ duckt –
iatz glaubet-rs wohl, daß beim Kaiserwiit spuckt?

Sebastian Blau